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Endlich eine Stimme, die
wieder Mut macht. Gerade jetzt, wo doch die Spitzenvertreter der
Kapitalisten offen zum Landesverrat aufrufen. Sagten wir „Kapitalisten“?
Ganz richtig, die Zeiten verlangen danach, die Dinge wieder beim Namen zu
nennen, als Zeichen neuer Ehrlichkeit. Von „Investoren“ zu sprechen, muss
spätestens jetzt als unangemessen verharmlosender Euphemismus gelten. Wer
dazu auffordert, massenhaft Produktionsstätten ins Ausland zu verlagern, da
dort weitaus mehr Profit zu machen sei, hat eben nur Kapital im Kopf und
sonst nichts.
Mag die Gesellschaft das
starr vor Entsetzen oder abgebrüht gegen Zumutungen aller Art einfach nur
hinnehmen, der Ethikrat kann nicht stillschweigend darüber hinweggehen. Als
erfreuliches Gegenbeispiel erscheint ihm da ein langjähriger
Spitzenvertreter des deutschen Schlagers, der von seinen erworbenen Gütern
den Kindern des Landes fortan etwas abgeben will. An ihm ist es, den
bewährten ethischen Grundsatz wieder in Erinnerung zu rufen: Frag nicht, was
dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tust. Ein
Grundsatz für Bürger, die sich für die Gesellschaft, in der sie leben,
verantwortlich fühlen; kein Grundsatz für Kapitalisten, die die Kuh, die
momentan nicht genug Milch hergibt, umstandslos krepieren lassen. Zugegeben,
es handelt sich um einen Grundsatz, der auch von etlichen Bürgern nicht mehr
so recht beherzigt wird. Aber er eröffnet die Perspektive einer neuerlichen
Bindung an ideelle Werte, also einer Ethik, statt einen ethischen
Offenbarungseid zu leisten.
Hier also ist einer, der
ideelle Werte wieder geltend macht, und dies auf die einzig wirksame Weise:
sie nicht nur zu proklamieren, sondern zugleich auch selbst zu realisieren.
Dass er von seinem löblichen Tun gleich selbst in aller Öffentlichkeit
spricht, geht in Ordnung; sonst merkt es ja keiner. Und ideelle Werte leben
nun mal davon, auf das Gran Dankbarkeit anderer zu hoffen, das mehr wert ist
als noch so viele materielle Güter. Dass Kapitalisten nur in begrenztem Maße
ideelle Werte verwirklichen und von all ihren materiellen Gütern doch so
wenig zehren können, ist das Problem, mit dem sie selbst fertig werden
müssen. Früher oder später beklagen sie die „Sinnlosigkeit“ ihrer Arbeit,
dann ihres Lebens, brennen innerlich aus und erfahren in diesem „Burnout“
einen frühen inneren Tod. Wofür sterben sie? Eben, niemand ruft ihnen noch
ein Dankeschön hinterher, und sie wissen es im Voraus.
Materielle
Sinnzusammenhänge sind nun mal weniger ergiebig als ideelle: Eine kluge
Regie des Lebens, wer auch immer dahinterstecken mag, hat das so
eingerichtet; ein wenig Gerechtigkeit in aller Ungerechtigkeit. Nur dann,
wenn für ideelle Werte Sorge getragen wird, kann es auf solider Grundlage
auch um materielle Werte, sprich: ums Geldverdienen gehen. Profit zu machen,
ist nicht wirklich schlimm; schlimm ist nur, zu keinem anderen Gedanken mehr
fähig zu sein. Freilich, auf Ethiker und Philosophen wird in diesen Dingen
niemand hören. Daher ist es gut, wenn nun, intellektuell unverdächtig, ein
Rockstar vorangeht. Damit diejenigen, die Bürger sein wollen, auch unter
verschärften Bedingungen den Mut finden, an einer Gesellschaft arbeiten, die
schöner und bejahenswerter erscheint als die gegenwärtige. In großer Zahl
gehören zu ihnen all die Unternehmer, die nicht darin aufgehen, nur
Kapitalisten zu sein, sondern sich selbst als Teil der Gesellschaft
verstehen. Der Weggang der anderen wird daher zu verschmerzen sein.
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